×
François-André Vincent: La Leçon de Labourage, Öl/Lw, 213 x 313 cm, 1793/98

Ein wunderschönes Bild in physiokratischer Lehre. Ein Landwirt - ganz im Stile der älteren emblematischen Symbolisierung von "Labor" und mit Handstellung des Schöpfers in Michelangelos "Erschaffung Adams" - unterrichtet einen Knaben aus der sterilen Klasse in der Führung eines Pfluges, den allein die Vertreter der produktiven Klasse - der Landwirtschaft - wirklich zu führen wissen.

×
Philippe Jacques (auch: Philip James) De Loutherbourg: Coalbrookdale by Night, Öl/Lw, 68 x 106,7 cm, 1801

Loutherbourg malt in romantischer Auffassung des Sujets das Hochofenwerk Madeley Wood (Bedlam), das der Coalbrookdale Company 1776 bis 1796 gehört hatte. Die Eisengewinnung entfacht ein Höllenfeuer, das die Metamorphose des Stoffes erst ermöglicht. Der Maler wählt eine Nachtszenerie, welche den höllischen Eindruck noch verstärkt. Dazu heulten noch die Blasebälge. Ein Bild, das noch nicht die Industrielle Revolution einfach feiert, sondern Ambivalenz vermittelt. Der Feuerschein der Hochöfen hat bis heute viele Maler zu Gemälden inspiriert.
×

Léonard Defrance: Interieur einer Schmiede, Öl/Holz, 41,5 x 60 cm, ca. 1777

Die ersten Gemälde mit Arbeitsszenen aus größeren Industriebetrieben des Bergbaus, der Eisenverarbeitung und auch anderen Wirtschaftszweigen stammen von dem Wallonen Léonard Defrance und dem Schweden Per Hillestroem, etwa aus der gleichen Zeit der Jahre 1775-1800. In beiden Ländern spielte die Industrie bereits eine bedeutsame Rolle. Allerdings bedurfte es durchweg noch des bereits genannten Tricks: man mußte einen herrschaftlichen Besuch erfinden, um solche profanen Bildvorwürfe, wie ihn der unmittelbare Produktionsprozeß darstellt, in Gemälde umzusetzen. Wir erhalten durch die Gemälde dieser beiden Maler vermutlich sehr realistische Einblicke in die damaligen Produktionsprozesse, die verwendeten Produktionsmittel und die Arbeitsbedingungen. Man kann wohl sagen, dass Defrance realistische Ansprüche hegt; seine Bilder sind inszeniert, kein naturalistischer Abklatsch der vermeintlichen Wirklichkeit. Herausgehoben stets die unmittelbaren Produktionsarbeiter in ihrer - meist kooperativen - Tätigkeit. Nahezu jedes Bild lebt darüberhinaus von der dargestellten Klassendifferenz. Die Herrschaft ist jeweils eindeutig gekennzeichnet durch Kleidung und Habitus; meist wirkt sie gegenüber den Arbeitern relativ lächerlich: an die Seite gerückt, etwas kleiner gemalt, inaktiv, puppenhaft; eine nutzlose, unproduktive Klasse.

 
BILDER DER ARBEIT
 
:: zur Startseite ::
Virtuelles Museum - Historische Synopse 3:
Beginn der Industrialisierung
zu Seite 1 2 4 5 6 7 8
farbig umrandete Bilder durch
"Klick" vergrößerbar
1780...............................................................................................................................................1830
Idealisierung und Romantisierung der Landwirtschaft

Reynolds, J.: Landleute, 1788

Goya, J. de: Weinlese,
1786

Stubbs, G.: Beim Heumachen,
1785

Vincent, F.-A.: La leçon de
labourage, 1798

Kobell, W.v.: Auf der Alm,
1829
Erste Industriegemälde

Defrance, L.: Interieur einer Schmiede, ca. 1777

Hilleström, P.: Ankerschmiede
von Söderfors, 1782

Lorentzen, C.A.: Hüttenwerk in
Norwegen, 1790


Turner, J.M.W.: Interieur
einer Schmiede, 1797


Loutherbourg, P.J. de: Coalbrookdale by Night, 1801

Weber, F.: Kgl.-Württ. Eisenschmelze
zu Heidenheim, 1805

Turner, J.M.W: Leeds, 1816

Vogt, C.: Am Hochofenwerk Baerum, 1820

Gastineau, H.: Eisenwerke in
Nant-y-Llo, ca. 1829


Gauermann, J.:
Hochofenabstich,
ca. 1823

Die Geschichte des Arbeitsbildes i.e.S. beginnt in den 1780er Jahren. Jetzt erst ist Arbeit als ein eigenständiger Bereich der Gesellschaft endgültig definiert, die Bildproduktionen beziehen sich nun zunehmend aufeinander, es ist eine Entwicklung festzustellen. Während traditionelle Motive wie z.B. die Kaufrufe und Handwerker zunehmend nostalgisch verkitschen, differenzieren sich Darstellungen der Landwirtschaft einerseits und der aufkommenden Industrie andererseits gegeneinander insofern aus, als die Landwirtschaft romantisierend und idyllisierend als der unschuldige Gegenpol zur Industrie positioniert wird. Singulär ist in diesem Kontext das Werk La Leçon de Labourage von Vincent, das den gesellschaftlichen Nutzen der Landarbeit idealisiert. Der Industrie nähern sich die Künstler von zwei Seiten: von der Landschaft und von dem Arbeitsprozess her. Die Landschaftsdarstellung befleißigt sich bis auf wenige Ausnahmen vorerst einer Fernsicht, um die neue visuelle Impression der Veränderung der Umwelt durch die Industrie aufzufangen. Auch der unmittelbare Produktionsprozess erscheint zunächst vor allem als visuelle Sensation, außer bei Defrance, der sich bereits für die technischen und sozialen Details interessiert, aber nur sehr kleinformatige Werke riskiert. Über die Folgen der Industrialisierung für die unteren Schichten, vor allem des Landes, wird eine erste um Realismus bemühte Bestandsaufnahme von dem Engländer George Walker in Form einer Lithografienfolge angefertigt. Stilmittel und Darstellungsformen bleiben weitgehend noch der Tradition verhaftet, eine neue Form für den neuen Inhalt ist noch nicht gefunden, wenn sich auch im Einzelfall, z.B. bei Turner, ein dynamischer Impressionismus abzuzeichnen beginnt, der die herkömmlich Statuarik überwindet und so ein wesentliches Merkmal der sich entfaltenden industriekapitalistischen Gesellschaft reflektiert.