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Maarten van Heemskerck: Allegorie der Arbeit, Zeichnung, 18,9 x 24,8, 1571

Es dürfte sich wohl um eine der ersten Allegorien der Arbeit handeln. Eine neuer Arbeitsbegriff bahnt sich an, der Produktivität und Effektivität zum Inhalt hat. Arbeit ist damit nicht länger eine Lebensweise, eine „conditio humana“, und wird auch nicht mehr wie im Mittelalter mit dem Sündenfall als Strafe Gottes definiert, sondern erhält eine ökonomische Deutung, sodass nun der Rationalisierung der Arbeit Tor und Tür geöffnet werden. Die Staatliche Graphische Sammlung München schreibt zu dieser Zeichnung: „[Das] Blatt zeigt entsprechend den Beischriften im Stich links Labor (Arbeit,Anstrengung) und rechts Diligentia (Umsicht, Wirtschaftlichkeit). Zwischen ihnen stehen Amictus (Kleidung) und Victus (Unterhalt, Nahrung). Diligentia trägt als Attribute Stundenglas, Peitsche und Sporen, mit denen verrinnende Zeit und Arbeitsantrieb ausgedrückt sein dürften. […] Feuerstahl und Feuerstein, die Labor auf dem Hut trägt, erscheinen bei Heemskreck breits 1560 als Attribute des Labor, womit die in der Wortbedeutung "Labor" enthaltene Anstrengung gemeint sein dürfte. Nur durch angestrengtes Schlagen entzündet man Funken. Das entspricht ungefähr dem Grundgedanken emblematischer Auslegung von Feuerstein und Feuerstahl. Durch Labor werden - wie die Stichunterschrift verrät - der Lebensunterhalt und die Kleidung beschafft. Beide sind in den Knaben Victus und Amictus personifiziert. Victus steht ausgestattet mit Kinderspiel und Tafelgeschirr unter einem Füllhorn und Amictus trägt Schere und Elle in der Hand, über ihm schwebt ein warmes Fell.“ (Quelle: Staatliche Graphische Sammlung München: Neuerwerbungen. München 1982)

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Louis Le Nain: Ein Hufschmied in seiner Schmiede, Öl/Lw, 69 x 57 cm, ca. 1640

Ein realistisch anmutendes Bild, dass dennoch sowohl durch Licht- und Schattengestaltung das Mystische vieler Schmiedebilder beibehält als auch in der Struktur das alte mythologische Thema des Besuches der Venus (mit Amor) in der Schmiede des Vulkan aufgreift, es aber ins Diesseits stellt. Die Figur des älteren kontemplativ dasitzenden Mannes erscheint übrigens in zahlreichen Schmiededarstellungen.
   
BILDER DER ARBEIT
 
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Virtuelles Museum - Historische Synopse 2:
Manufakturzeitalter
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Allegorien und Embleme der Arbeit
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(Heemskerck, 1571; Emblem 1650)
Arbeit und Mythos

(Le Nain ca. 1640)
Kritik

(ca. 1660)
ill. Hausvater-Literatur

(Florinus 1702)
häusliche Arbeit

(Chardin 1738)
Illustrierte Werke neuer Technologien
b
(z.B. Agricolas Bergbaubuch, 1556; Nova Reperta von Stradanus, ca. 1570)
erste Manufakturbilder

(1612)
industrielle Morallehre

(Hogarth 1747)
Salpeterfabrik

(Durameau 1761)
Handwerksfolgen (Ständebücher)
bb
(Amman 1568, Weigel 1698)
Kaufruffolgen

(1646)
niederl. Genrebilder

(1650)
Merkantilismus I

(Chodowiecki 1774)
Merkantilismus II

(Diderot/d'Alembert ca. 1770)
Gegen Ende des 16. Jhs. setzt sich eine neue Arbeitsideologie durch, die in einer großen Zahl von Bildwerken propagiert wird. Arbeit ist nun endgültig als ein eigenständiger Bereich aus anderen Kontexten ausgelagert und kann so Gegenstand von Verfleißigung, Mechanisierung, Produktivierung und Organisierung werden. Diese merkantilistisch-technologische Arbeitsdefinition kommt in Allegorien, Enblemen und Handwerkerfolgen, die zunehmende Verwissenschaftlichung in Mechanik-Lehrwerken, zunächst vor allem Bergbaubüchern, zum Ausdruck. Die Handwerkerfolgen der frühen Neuzeit signalisieren den Übergang in eine neue Periode, sie versuchen, die gute Ordnung und den Gewerbefleiß des Handwerkerstandes gegen die aufkommende, vom frühmodernen Staat geförderte, Manufaktur zu profilieren. Erste Manufakturbilder sind zu beobachten; sie stellen unmissverständlich die Herrschaftsverhältnisse heraus. Im siebzehnten Jahrhundert setzt sich dieser Prozess der Industrialisierung des Konzepts der Arbeit fort, zugleich aber wird die traditionelle Arbeit, vor allem des Bauerntums, ein Thema der niederländischen Genremalerei, die teils eine Tendenz zur Satire, teils aber auch eine zu einem kritischen Realismus aufweist. Die Gebrüder Le Nain bereiten mit ihren mythologisch-realistischen Gemälden ein Konzept »diesseitiger Heiligkeit« von Arbeit vor, das sich später bei Millet und van Gogh wiederfinden wird. Der Prozess der Ökonomisierung von Arbeit findet seinen Fortgang in der Hausväterliteratur, die häufig reich illustriert ist. Dort hat sich die neue Arbeitsdefinition bereits zu einer Arbeitspädagogik entwickelt, die bis zum Ende dieser Epoche fortgeführt wird, z.B. in Werken von Hogarth oder Chodowiecki. Die technologische Rationalisierung kulminiert vorerst in den Tafeln zur Enyklopädie von Diderot und d‘Alembert.